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Draußen…!

Lesung einer Auswahl von Texten aus dem Gesamtwerk von Wolfgang Borchert

von und mit Hans Diehl

am Freitag, den 7. Dezember 2018 um 20.00 Uhr im Kasemattentheater

“Du. Mann an der Maschine und Mann in der Werkstatt. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst keine Wasserrohre und keine Kochtöpfe mehr machen – sondern Stahlhelme und Maschinengewehre. dann gibt es nur eins: Sag NEIN! (…) Mütter in allen Erdteilen, Mütter in der Welt, wenn sie morgen befehlen, ihr sollt Kinder gebären, Krankenschwestern für Kriegslazarette und neue Soldaten für neue Schlachten, Mütter in der Welt, dann gibt es nur eins: Sagt NEIN! Mütter, sagt NEIN! Denn wenn ihr nicht NEIN sagt, wenn IHR nicht nein sagt, Mütter, dann: dann: (…) dann wird der letzte Mensch, mit zerfetzten Gedärmen und verpesteter Lunge, antwortlos und einsam unter der giftig glühenden Sonne und unter wankenden Gestirnen umherirren, einsam zwischen den unübersehbaren Massengräbern und den kalten Götzen der gigantischen betonklotzigen verödeten Städte, der letzte Mensch, dürr, wahnsinnig, lästernd, klagend – und seine furchtbare Klage: WARUM? wird ungehört in der Steppe verrinnen…!“ Wolfgang Borchert: „Dann gibt es nur eins!“

Der deutsche Schriftsteller Wolfgang Borchert gilt als wichtiger Repräsentant und Wegbereiter der Nachkriegsliteratur. Geboren 1921, war er zunächst Buchhändler und Schauspieler. 1941 wurde er als Soldat an die Ostfront verlegt; zwei Mal wurde er wegen “Zersetzung” zu Haftstrafen verurteilt. Als er 1945 nach Hamburg zurückkam, war er bereits schwerkrank. Am 20. November 1947 starb er, gerade 26 Jahre alt, in Basel. Wie kein anderer artikulierte er in seinen von Melancholie durchzogenen Gedichten und Erzählungen die Bitterkeit und Trauer einer “verratenen Generation”. So machte ihn die Erzählung “Die Hundeblume” mit einem Schlag berühmt: In ihr ist das traumatische Erlebnis der Gefangenschaft auf eine immer neu variierte Situation reduziert: den täglichen Hofgang der Gefangenen. Seinen größten Erfolg erzielte er mit seinem

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in ungeheurer Intensität gehaltenen Drama “Draußen vor der Tür”, das, zunächst als Hörspiel gesendet, einen Tag nach seinem Tod in den Hamburger Kammerspielen uraufgeführt wurde.

Der Schauspieler Hans Diehl hat diesen Abend mit Texten aus dem Gesamtwerk von Wolfgang Borchert selbst zusammengestellt. Diehl, geboren 1940 in Offenbach, absolvierte seine Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt. Seine Engagements führten ihn u.a. an die Schaubühne in Berlin, an das Düsseldorfer Schauspielhaus, an das Thalia Theater in Hamburg, das Burgtheater in Wien, das Residenztheater in München, an das Staatstheater in Stuttgart, an das Maxim Gorki Theater in Berlin, das Berliner Ensemble und das Schauspielhaus Bochum. In dieser Zeit arbeitete er mit Regisseuren wie Heinz Hilpert, Peter Stein, Klaus Michael Grüber, Luc Bondy, Michael Gruner, Peter Palitzsch, Andrea Breth und Franz Xaver Kroetz zusammen. Darüber hinaus war Hans Diehl in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen zu sehen. In Luxemburg spielte er 2009 Phil Hogan in „Ein Mond für die Beladenen“ am TNL und zeigte 2010 mit viel Erfolg seinen legendären Ringelnatz-Abend im Kasemattentheater.