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Sein Bestreben lag darin, es sich heimisch zu machen. Er hatte einen Auftrag zu erledigen. Er ist nie, zumindest nicht wissentlich in einer prekären Situation gewesen. Er hat sich das Parterre ausgesucht, denn es war seinem Auftrag dienlich. Im Parterre konnte man die Vögel gut hören.

Von diesem rätselhaften Auftrag handelt das Stück Parterre, in dem Michel Clees, Hausautor der Spielzeit 19/20 am TNL, gleich drei archetypische Mitglieder einer Wohngemeinschaft zusammenführt: ein im Leben verspätetes Mamasöhnchen, eine engagierte Studentin und einen syrischen Flüchtling, der Döner verkauft.

Der überhitzte Wohnungsmarkt mit seinen horrenden Mieten führt heute Leute unter einem Dach zusammen, die sich recht wenig zu sagen haben. Ging es in den siebziger und achtziger Jahren noch um alternative Lebensentwürfe und die Realisierung eines gesellschafts-politischen Wandels im Alltag, haben sich Wohngemeinschaften in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr zu Zweckgemeinschaften entwickelt.

Doch in Parterre bohrt Michel Clees tiefer: In der beständigen Selbst-darstellung der einzelnen Protagonisten und dem zerfleischenden Kommentar wird durch die räumliche Nähe einer Wohnung der Andere in seiner Unerträglichkeit erst recht zum Fremden. Wie können diese drei überhaupt zusammenleben, nicht nur in einer Wohngemeinschaft, sondern in der Gesellschaft ganz allgemein gesprochen? So wie jede Wohngemeinschaft auch eine ungewollte Lebensgemeinschaft ist, gerät sie in Michel Clees‘ Parterre zu einem Sinnbild heutiger gesellschaftlicher Verhältnisse.

Bernhard M. Eusterschulte hat bereits einige spannende Inszenierungen am Théâtre National du Luxembourg realisiert, zuletzt zeigte er eine ungewöhnliche Version von Brechts Antigone, die durch Europa tourte.

Regie und Bühne: Bernhard M. Eusterschulte
Kostüme: Leah Lichtwitz
Dramaturgie: Andreas Wagner
Mit: Nora Koenig, Arash Marandi u.a.
Eine Produktion: Théâtre National du Luxembourg